
Erkenntnisse aus der Realität meines kreativen Nebenschauplatzes
Erkenntnisse sind ja eigentlich etwas Gutes. Allerdings ist auch oft der meiste Frust mit realen Erfahrungen und Erkenntnissen verbunden. Mir hilft dabei das Dokumentieren. Denn oft sind Erfahrungswerte unauffällig und du musst schon genau hinschauen, um auch die kleinen Änderungen und Verbesserungen mitzubekommen.
Mein Vergangenheits-Ich möchte nichts vorgesagt bekommen.
Es möchte selbst herausfinden, wo der Weg langführt.
Rückblickend sind Erkenntnisse oft viel logischer und einfacher als zu dem Zeitpunkt, zu dem sie noch nicht so richtig durchgedrungen sind. Und ich vermute, dass sowohl mein Vergangenheits-Ich aber auch andere kreative Selbstständige sich falsche Vorstellungen machen, wie gut und wie schnell so ein Kreativbusiness eigentlich funktioniert.
Denn außen sieht man immer nur die Schritte, die schon geschafft sind und die erfolgreichen Zustände, die schon erreicht wurden. Die ganzen Rückwärtsschritte und die lange Zeitspanne und Wegstrecke, die davor schon absolviert wurde, die sieht man meist nicht.
Ich bin soloselbstständig, arbeite hauptsächlich als Designerin für Selbstständige, indem ich zum Beispiel gruselige Uralt-Websites durch stimmige, gut gestaltete und inhaltsstarke Websites ablöse, die funktionieren. Und indem ich andere Selbstständige dabei unterstütze, visuell wiedererkennbar und mit Qualität aufzutreten. Langsam aber stetig ist mein Motto. Denn Markenaufbau und eine starke Website entfalten ihre Wirkung über die Zeit.
Und das gilt umso mehr für dieses kreative Standbein und meinen kreativen Nebenschauplatz Ziegelrot. Nach der langen Phase des Hobby-Nebenbei-Herumprobierens bin ich jetzt so langsam in der Phase, in der sich eine Marke bildet und in der Produkte und Ideen mehr ineinandergreifen.
Die Innensicht: Langweilig und langsam.
Gleichzeitig ist mein Weg eher langweilig und langsam. Das KI-Zeitalter sorgt für – sagen wir mal – interessante Bedingungen auf Märkten wie Etsy und generell gerät einiges durcheinander. So habe ich schon vor einiger Zeit aufgehört, meine Illustrationen bei Stockanbietern hochzuladen. Weil der Verdienst eigentlich bis auf wenige Plattformen spärlich bzw. rückläufig war und weil durch KI-Tools und inflationäre Produktion von Motiven mit KI handgemachte Motive so entwertet werden, dass ich auf diesem Spielfeld nichts mehr hinzufügen möchte. Wie ich mit KI-Tools umgehe, habe ich im Blogartikel So kommt KI bei mir (nicht) zum Einsatz schon geschrieben.
Abseits von diesen äußeren Umständen und Entwicklungen möchte ich mich auf meinen Weg und meine Erkenntnisse konzentrieren. Auch wenn es langsam und unspektakulär ist. Also schauen wir doch mal, was in letzter Zeit so dabei rumgekommen ist.
1. Erkenntnis:
Produkte / Motive nicht zu früh aufgeben.
Das habe ich im Jahresabschluss-Blogartikel schon angesprochen. Aber ich möchte es hier nochmal dokumentieren. Damit ich es nicht selbst vergesse.
Es ist normal, dass Motive oder Produkte ›floppen‹. Manchmal hat man selbst ein gutes Gefühl, aber stellt dann fest, dass das Kaufinteresse mau ist. Dieses Jahr gab es aber auch Veränderungen zum Positiven, sodass einige Produkte, die ich davor das Jahr schon angeboten hatte, anfingen, sich besser zu verkaufen. Oder zumindest überhaupt mal verkauft wurden.
Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Es ist wahrscheinlich eine Kombination aus mehreren Ursachen: Bessere Produktbilder, bessere Sichtbarkeit online in der Suche, ein besseres Sortiment mit ähnlichen Produkten, sodass Käufer das Gefühl haben, dass genug Auswahl da ist (und nicht nur dieses eine Produkt als eine Art Ausreißer in dem Shop, der eigentlich andere Sachen anbietet).
Für mich bedeutet das, dass ich Produkte und Motive weiterhin nicht zu früh aufgebe, sondern überlege, wie ich diese besser machen oder anders kombiniert anbieten kann.
Klar, das soll keine Produkte rechtfertigen, die einfach nur herumliegen und das Sortiment verstopfen. Das ist ein anderes Problem, das ich mehr angehen müsste. Denn es gibt auch Produkte, die ich selbst gern mag und Arbeit investiert habe, die sich aber gar nicht verkaufen. Das sind zum Beispiel die Zeit-statt-Zeug-Gutscheine mit den ausschneidbaren Stickermotiven. Die Idee zündet bisher nicht wirklich. 😉
2. Erkenntnis:
Die günstigsten Produkte sind der ›Killer‹ durch die hohen Gebühren.
Meine subjektive Sicht: Ich bezahle zu hohe Gebühren. Vor allem bei Etsy. In meinem eigenen Shop sieht das mit den Paypal-Gebühren etwas besser aus. Aber wenn ich mir bei Etsy so die Beträge anschaue, die monatlich an Etsy gehen, ist das schon ein stolzes Sümmchen…
Bei jedem Abo-Modell für einen Onlinedienst, würde man für solche monatlichen Summen schon ordentlich Support und auf einen persönlich zugeschnittene besondere Leistung erwarten. Über meine Sicht zu Etsy habe ich schon im Blog-Artikel Mein Shop ist eröffnet geschrieben. Denn das hing direkt zusammen.
Dafür, dass ich abgesehen von der großen und belebten Plattform, die Etsy zur Verfügung stellt (das ist toll, keine Frage!), die ganze Arbeit selbst mache, ist das schon etwas fragwürdig.
Wird sich schon irgendwann gesund-skalieren, oder?
Und als ich mir die Zahlen zu den Gebühren zum Jahresende mal bewusster angeschaut habe, habe ich mich ehrlich gesagt etwas erschreckt. Weil ich mal wieder bemerke, wie naiv ich teilweise vielleicht noch an die Preisgestaltung meiner Produkte herangehe. Wird sich schon irgendwann gesund-skalieren…
Mein Problem ist, dass ich viele recht kleinpreisige digitale Produkte anbiete, die im Bereich von 2 bis 3 Euro (inkl. MwSt.) liegen. Und das ist eigentlich zu wenig. Weil in Relation dazu die Gebühren zu hoch sind. Denn die setzen sich nicht nur prozentual sondern auch durch feste Mindestbeträge zusammen. Auch bei Paypal gibt es eine Mindestgebühr, die nicht unterschritten wird.
Und das Thema muss ich im neuen Jahr schrittweise verbessern. In 2025 habe ich schon die Preise der Produkte etwas angepasst, sodass ich eine Mindesteinnahme habe. Aber ich merke, dass es am meisten hilft, wenn Käufer mehrere Produkte kaufen oder wenn etwas hochpreisigere gebündelte Produkte verkauft werden wie Karten-Sets, Druckdateien für Banderolen oder Anhänger.
Und das Thema Bundles oder hochpreisigere Produkte wie die Basteldatei für die Winterhäuser möchte ich im neuen Jahr angehen. Weil ich auch schon so viele Ideen habe, wie sich Produkte kombinieren lassen.
3. Erkenntnis:
Done ist immer noch better than perfect.
Sorry für das Denglish. 🙂
Klar, Qualität und sorgfältige Ausarbeitung sind wichtig. Und gleichzeitig merke ich immer wieder, wie wichtig es ist, produktiv und zügig umzusetzen. Auch wenn etwas noch nicht perfekt ist oder in meinem Kopf schon eine Verbesserungsmöglichkeit aufgeploppt ist.
Das gilt generell für die Motive und Produkte. Weil nur wenn etwas online angeboten wird, kann es jemand kaufen. Und nur wenn es Resonanz auf Produkte und Motive gibt, kann ich feststellen, ob es funktioniert. Und wenn es noch nicht so funktioniert, kann ich es weiter verbessern oder ändern.
Das gilt auch für meinen eigenen Shop hier. Er ist nur deswegen erfolgreich online, weil ich mich damit ›zufriedengegeben‹ habe, dass es erstmal nur eine Bezahlmöglichkeit (Paypal) gibt. Denn das war der einfachste und vor allem der erreichbare Zustand.
Und ich werde als nächstes einen verbesserten Zustand anvisieren, sodass Käufer mehr Zahlarten zur Verfügung haben. Auf jeden Fall. Ich erspare euch die nervigen Details beim Thema Zahlungsabwicklung… 😉
Aber ich hätte den Erfolg nicht gehabt und wäre nicht mit dem eigenen Shop online, wenn ich zu sehr an diesem perfekten vollständigen Zustand als Ziel festgehalten hätte. Done is better than perfect!
4. Erkenntnis:
Kurze saisonale Effekte sind nicht zu unterschätzen.
Silvester / Neujahr ist quasi der letzte Feiertag im Jahr und da dieser auch noch hinter dem ganzen Advents- und Weihnachtsmarathon liegt, habe ich diesen bisher etwas weniger beachtet. Denn das Jahr ist eigentlich schon gelaufen. Geschenkgutscheine und Karten oder Basteldateien für Weihnachten wurden schon gekauft.
Aber ich habe relativ spontan noch einige Basteldateien zum Jahreswechsel zum Kauf online gestellt, wie die Banderolen für Wunderkerzen mit Glücksmix oder Banderolen für Mini-Ritter-Sport-Tafeln. Und dann habe ich mich gewundert, wie viele Menschen dann doch noch kurz vor dem Jahreswechsel damit beschäftigt sind, kleine Gastgeschenke für die Silvesterfeier oder den Jahresstart zu basteln.
Durch diesen vermeintlich kurzen Zeitraum zum Feiertag konnte ich im Dezember noch ein bestimmtes Ziel bei den monatlichen Einnahmen erreichen (ich verrate es euch: vierstellig! und zwar Einnahmen nicht Umsatz!), was mich nach der ganzen Arbeit in dem Jahr als Belohnung sehr gefreut hat.
Und das werde ich in Zukunft weiter beachten. Klar, wenn der Fokus zu sehr auf kurzen Feiertagen liegt, die schnell rum sind, ist das auch nicht gut. Aber als Ergänzung können saisonale Produkte richtig gut für zusätzlichen Umsatz sorgen, auch wenn sie den Rest des Jahres fast keine Relevanz haben.
Fazit:
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.
Mein Eindruck im Alltag ist nach wie vor, dass das ganze Theater oft nicht direkt etwas bringt. Ich verbessere Dinge, setze neue Produkte um, kümmere mich um meine Marke und das Marketing (wenn auch meist eher mäßig) und arbeite an der Sichtbarkeit meiner Website und meiner Produkte (Herausforderung!).
Und obwohl das ganze Zeug oft nicht direkt Wirkung zeigt, bin ich mittlerweile motivierter denn je, weiterzumachen. Weil so langsam Maßnahmen in Summe doch funktionieren und es stetig Resonanz gibt. Weil ich einfach immer weitergemacht habe.

Es macht weiter Spaß, fängt an mehr und mehr zu funktionieren. Nichtsdestotrotz bleiben die Herausforderungen vielfältig. KI-generierte Massenware, nur langsame Fortschritte bei Einnahmen (mühsam ernährt sich das Eichhörnchen) und steigender Aufwand im Hintergrund, was Technik, Infrastruktur und Vermarktung betrifft.
Aber ja, es macht weiterhin Spaß. Ich mag mein ›Spielfeld‹ und mein zweites Standbein. Und ich werde hier weiter berichten und Einblicke geben.
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